Wie sicher ist Ihr Arbeitsplatz?

Und ich meine nicht, ob Sie ausreichend Feuermelder, Notausgänge oder Sicherheitskleidung haben. Ich meine Sicherheit im psychologischen Sinne: Wie sicher fühlen sich Ihre Mitarbeiter in ihrem Arbeitsumfeld? Wie sehr werden sie kontrolliert, inwiefern können sie ihre Meinung frei äußern und wie viel Vertrauen bringen Sie ihnen entgegen?

Das mag für Sie jetzt im ersten Moment seltsam klingen, aber ob sich Ihre Mitarbeiter sicher fühlen, hat etwas mit dem sie umgebenden Raum zu tun. Unternehmer wünschen sich ständig neue Impulse und kreative Ideen von ihren Leuten. Aber wer traut sich denn im Großraumbüro eine kreative Runde zu starten und sich gedanklich auszutoben? Dabei hat es für alle Beteiligten so viele Vorteile, wenn sie sich am Arbeitsplatz sicher fühlen …

SCHIEFE BLICKE ZUM KAFFEE

Die psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ist nämlich wichtiger, als Sie denken. Fühlen die Menschen in Ihrem Team sich am Arbeitsplatz ständig beobachtet, wird es ihnen schwerfallen, sich kreativ und frei zu entfalten. Der Mut, sich offen zu äußern, ohne mit einer Sanktion rechnen zu müssen, fehlt dann mit großer Wahrscheinlichkeit. Aber genau durch diesen Mut entstehen neue, bessere Ideen und Lösungen!

Das durfte ich selbst beobachten, als ich durchs Silicon Valley reiste und bei Airbnb zu Gast war. Dort wird alles getan, damit sich die Mitarbeiter sicher und wohlfühlen. Zahlreiche Second Places und Arbeitskojen bieten den Mitarbeitern zum Beispiel die Sicherheit, dass es nicht geahndet wird, wenn sie sich ohne Termin und spontan austauschen. Dass es vielmehr sogar gewünscht ist! Hinzu kommen Loungemöbel, die die Mitarbeiter individuell aufstellen können, so dass eine gemütliche Arbeitsatmosphäre entsteht.

Meine Partnerin und ich spürten sofort: Hier herrscht eine Vertrauenskultur, in der Manager den Mitarbeitern Vertrauen schenken und Freiräume zugestehen, die auch nicht streng kontrolliert werden. Bei Airbnb wird niemand schräg angeschaut, wenn er mal einen „kreativen Kaffee“ im hauseigenen Café trinken geht oder sich mit Kollegen in einer der zahlreichen Lounges unterhält. Bei Airbnb hat die Chefetage eingesehen, dass auch gearbeitet wird, wenn nicht alle von acht bis 17 Uhr am Schreibtisch sitzen – wahrscheinlich sogar noch besser.

Vielleicht brauchen auch Ihre Mitarbeiter genau solche Gespräche, um auf eine neue Idee zu kommen.

GESPRÄCHE STATT EINHEITSBREI

Dass sie sich solche Gespräche herausnehmen dürfen, gibt Ihren Angestellten Sicherheit. Sie können sich sicher sein, dass sie innerhalb eines Teams oder eines Raums den Mund aufmachen können, ohne dass sie dafür eine abwertende Aussage kassieren.

In Deutschland beobachte ich aktuell oft eher das gegenteilige Phänomen: Wenn ich mit Mitarbeitern großer Unternehmen spreche, wünschen sie sich Räume für einen Austausch oder zum Testen von Prototypen. Als Antwort erhalten sie Einzelbüros und kahle Meetingräume mit der Anweisung, jetzt bitte schön kreativ zu sein. Das kann nicht der richtige Weg sein!

Wenn der Wunsch nach mehr kreativem Austausch besteht, dann benötigen Sie entsprechende Raumangebote. Die bloße Aufforderung zur Kreativität wird noch keine Wunder bewirken. Das konnte ich wunderbar beobachten bei einem großen deutschen Softwarehersteller, den ich berate. Dort hatte die Chefetage einen Stehtisch mit der Aufforderungstafel „Tausche hier deine Ideen aus“ bereitgestellt. Null emotional, wieder keine Sicherheit für die Mitarbeiter, sich frei bewegen zu dürfen. Auch die aufgestellten Telefonboxen mit grellem Licht, unruhiger Lage im Gang, nicht abschließbar, vorne nur eine milchige Glasscheibe, hinten eine offene Tür im Rücken – darin fühlt sich doch jeder kontrolliert und abgehört, statt sicher und wohl!

FOKUSSIERTE INSPIRATION

Deshalb möchte ich Ihnen ans Herz legen: Bitte reden Sie mit Ihren Mitarbeitern, bevor Sie in Aktionismus verfallen und Ihr komplettes Büro auf den Kopf stellen. Fragen Sie nach, welche Bedürfnisse Ihre Räumlichkeiten überhaupt bedienen müssen.

Und dann ist da noch das Thema Vertrauen: Es spricht für Ihren Führungsstil, wenn Sie Ihren Mitarbeitern zutrauen, dass die auch mal mit Kollegen in der Lounge zusammensitzen können und dabei trotzdem arbeiten. Und umgekehrt fühlen sich Ihre Mitarbeiter sicher, wenn sie merken, dass sie nicht kontrolliert werden. Dann trauen sie sich auch mal kreativ zu sein, wild zu diskutieren, ausgefallene Gedanken zuzulassen – Ihr Unternehmen voranzubringen.

Mit solchen Freiheiten muss man natürlich auch umzugehen wissen. Damit sich die kreativen Ideen nicht wild in alle Richtungen entwickeln, sollten Sie Ihren Leuten deutlich machen, worum es geht. Nutzen Sie in Ihren Räumen Zeichen, Bilder oder Symbole, die an den Projektzweck oder den Kundennutzen erinnern. Um nochmal das Beispiel aus dem Silicon Valley aufzugreifen: Bei Airbnb steht auf einem historisch anmutenden Schild „Do the right thing way“. So werden alle daran erinnert, auf der Straße der eigentlichen Aufgabe zu bleiben. Sie könnten aber auch das Produkt physisch im Raum präsentieren oder Ihre Kunden abbilden. Auch das gibt Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

VERTRAUEN + RAUM = SICHERHEIT

Damit bei Ihnen im Unternehmen Sicherheit am Arbeitsplatz herrscht, gilt es nun, beide Komponenten umzusetzen: Bringen Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen entgegen und schaffen Sie Räume für kreative Freiräume. Sie werden sicherlich schon bald mit besseren Ergebnissen belohnt und Ihre Mitarbeiter haben mehr Spaß und mehr Wohlbefinden bei der Arbeit – und gegen diese Sicherheit haben Sie sicher nichts einzuwenden, oder?

  • Reply

    Herb

    18 01 2018

    Tres bien! Gefällt mir sehr gut, my friend

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