Was spornt Sie an, kreativ zu arbeiten? Und noch viel wichtiger: Wie sehr beflügelt Ihre Arbeitsumgebung Ihre Kreativität?

Büroeinrichtungen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Vom grauen Teppich mit Yuccapalme in der Ecke, über dunkle, abgetrennte Einzelschreibtische, bis hin zum Schickimicki-Großraumbüro mit Designermöbeln. Habe ich alles schon gesehen – leider. Denn ich bin der Überzeugung, dass vielen Unternehmern gar nicht bewusst ist, wie wichtig der umgebende Raum am Arbeitsplatz ist, damit ihre Leute kreativ werden. Schließlich möchte jeder Chef eine kreative Mannschaft. Und das gelingt eben nur, wenn das Arbeitsumfeld stimmt und dazu animiert, kreativ über den Tellerrand hinauszuschauen.

Mit meiner Partnerin Irene Graf – ihres Zeichens Architektin – habe ich mich deshalb auf die Suche nach der Essenz kreativer Räume begeben. Wir sind durch ganz Deutschland gereist, waren in Kalifornien und im Silicon Valley unterwegs. Unsere Reise ist sicher noch nicht zu Ende, aber die Grundpfeiler stehen: Wir haben den Code für kreative Räume entschlüsselt!

Er besteht aus fünf Komponenten, die ich Ihnen hier vorstellen möchte.

1. Der Geist des Unternehmens lebt!

Der erste Aspekt des Codes ist zentraler Kern für jegliche Kreativität und hat zunächst rein gar nichts mit Einrichtungsgegenständen zu tun. Es geht um den Geist des Unternehmens. Da dieses Konzept etwas schwieriger zu fassen ist, möchte ich Ihnen zunächst ein Beispiel des Weltkonzerns Apple erzählen. Der zukünftige Hauptsitz der Firma, der Apple Park im Silicon Valley, ist als großer Ring konzipiert. Er nimmt mehr Fläche ein als das Pentagon und besitzt die weltweit größte gebogene Glasfläche. Das Highlight sind aber die 8.000 (!) neu gepflanzten Bäume. Das riesige Naturareal soll für die Mitarbeiter der perfekte Ort für kreative, nutzenstiftende Inspirationen sein. Diese Philosophie entspricht den Vorstellungen von Gründer Steve Jobs. Die kalifornische Landschaft mit ihrer Weite hat Jobs oft inspiriert, das war seine perfekte Umgebung zum Nachdenken.

Im Apple Park wird nun unter anderem genau diese Vorliebe des Gründers für die Natur, der Geist des Unternehmens spürbar. Die Architektur spiegelt menschliche Haltungsfragen wider.

Bevor Sie nun zu Schaufel und Baumsetzlingen greifen: Fragen Sie sich, was Ihr Unternehmen ausmacht. Wofür es gegründet wurde, welche Absicht oder Idee damit verfolgt wurde. Wenn Sie diesen Gedanken in Ihre Architektur einbeziehen, wird der Gründergeist spürbar durch die Gänge wehen und eine kreative Arbeitsatmosphäre anregen.

2. Funktionalität? Gerne, aber bitte strategisch!

Neben einer guten Atmosphäre kommt es bei der Einrichtung Ihrer Räume vor allem auch auf deren Funktionalität an. Ganz simpel bedeutet das: Schaffen Sie den Raum für das, was Sie von Ihren Mitarbeitern an kreativen Ergebnissen sehen wollen. Zu oft habe ich schon erlebt, dass Angestellte Räume für einen kreativen Austausch oder zum Experimentieren mit Prototypen fordern und als Antwort kahle Einzelbüros oder geschlossene Meetingräume erhalten. Wie sollen die Mitarbeiter hier kreativ werden?

Meine Partnerin Irene Graf und ich finden in dieser Hinsicht das amerikanische Unternehmen Airbnb sehr vorbildlich. Dort hat die Chefetage erkannt, dass das Unternehmen von spontanen und kurzfristigen Abstimmungen zwischen den Mitarbeitern lebt. Deshalb gibt es nicht nur die eine übliche Lounge, sondern zahlreiche Second Places zum ungezwungenen und informellen Austausch.

Diese strategische Funktionalität Ihres Arbeitsplatzes steht über der Frage, ob die Stühle nun bequem sind, ob Hängematten vorhanden sind oder ob die Tische in der Höhe verstellt werden können.

3. Für mehr Kaffee in Sicherheit

In vielen Köpfen der Führungsetage ist noch nicht angekommen, dass niemand von acht bis 17 Uhr an seinem Schreibtisch sitzen muss, um kreativ zu arbeiten. Glauben Sie mir, auch beim Kaffee in gemütlichen Loungemöbeln wird gearbeitet – meiner Meinung nach sogar oft kreativer und effizienter als starr im Einzelbüro. Aber eben nur wenn Ihre Mitarbeiter sich psychologisch sicher fühlen und keine Angst vor schrägen Blicken oder Sanktionen haben, wenn sie lieber beim Kaffee mit Kollegen über das neue Projekt sprechen, als am Schreibtisch zu sitzen.

Mit einer gesunden Vertrauenskultur im Unternehmen und einer entsprechenden Einrichtung, die den Austausch fördert, können Ihre Mitarbeiter kreativ neue Ideen entwickeln – ohne scheinbare Kontrolle oder das dauerwachsame Auge des Chefs im Nacken.

4. Inspiriert und kreativ – mit Fokus

Bei all der Kreativität und bei aller Freiheit sollte jedoch eines nie verlorengehen: der Fokus. Worum geht es eigentlich? Welchen Unternehmenszweck, welchen Projektzweck, welchen Kundennutzen verfolgen Sie und Ihre Leute, wenn Sie kreativ werden?

Damit diese Richtung allen im Gedächtnis bleibt, bietet es sich an, sie im Raum zu visualisieren. Dazu kann das Produkt physisch im Raum präsent sein oder Sie bilden Ihre Kunden ab. Ihnen sind keine Grenzen gesetzt. Bei Ekso Bionic zum Beispiel ist die Mission des Unternehmens, nämlich für die Mobilität querschnittgelähmter Menschen das zu sein, was einst das Ford Modell T für die Mobilität der Massen war, überall deutlich. Bei Airbnb wiederrum hängt ein historisch anmutendes Schild mit der Aufschrift „Do the right thing way“ im Flur und erinnert die Mitarbeiter immer wieder: Ja, seid kreativ – und zwar für die richtigen Dinge, für unseren Weg.

5. Lebendig inmitten der Imperfektion

Auf diesem Weg habe ich erlebt, dass viele Unternehmen gut gemeinte Versuche starten, den Mitarbeitern ein tolles, kreativ inspirierendes Umfeld zu schaffen – mit tollen, hochmodern gestalteten Räumen, Hochglanzeinrichtung und Designermöbeln. Diese „kreativen Räume“ haben allerdings den Fehler, dass sie auf eine sehr verkrampfte und technokratische Weise locker sein wollen. Da gibt es dann zahlreiche schicke Teeküchen, die aber so clean sind, dass sich niemand traut, sie zu benutzen.

Damit Ihre Mitarbeiter kreativ arbeiten können, benötigen Sie deshalb nicht gezwungenermaßen die neueste Highend-Einrichtung. Ein schickes Museum nutzt Ihnen nichts. Vielmehr zählt Lebendigkeit!

Facebook zum Beispiel und auch Airbnb kontrastieren coole Designs in unübersehbarem Ausmaß mit lebendiger Imperfektion. Die Architektur und auch die Einrichtung wirken oftmals fast „unfertig“, so als sei der Gestaltungsprozess noch nicht abgeschlossen. Und genau das soll bei den Mitarbeitern auch rüberkommen: Ein Unternehmen ist niemals perfekt und fertig, sondern immer dabei, sich zu entwickeln, zu wachsen und zu verändern. Diese offene Haltung gegenüber allem Neuen wird in der Einrichtung sichtbar.

Sie als Führungskraft dürfen also die Trendbrille guten Gewissens abnehmen. Kreativ werden Ihre Mitarbeiter dann, wenn Sie gestalten können, anstatt einfach nur in picobello spießige Räume gesteckt zu werden.

Bei der Umsetzung des Codes in Ihrem Unternehmen helfen meine Partnerin und Architektin Irene Graf und ich Ihnen gerne mit room to grow  – aus architektonischer Sicht, aber gleichzeitig auch immer durch die Brille des Business Coachs. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

  • Reply

    Birgit von Have

    21 11 2017

    Lieber Rainer Petek,

    da haben Sie mir aber aus der Seele gesprochen! Mit diesem Feld beschäftigen wir uns schon seit vielen Jahren professionell, denn wir sind diejenigen, die die Visionen der GF in Fläche und Raum umsetzen. Aber da geht das Problem meist schon los: viele GFs müssen erst über Workshops zu einer Vision geführt werden, damit diese auch von ihnen getragen wird. Und ja: es geht eben nicht darum, dass der bekannte Büromöbelhersteller seine Möbel „verteilt“, sondern auch um das Gespür, dass (noch) nicht jede Firma Facebook, Apple und Co. ist und das lustige Bällebad eben kaum von den 57-jährigen angenommen wird, während die jungen sich ein Arbeiten in stupiden Zellenbüros mit Mittelflur nicht vorstellen können. Und zwischen „Es lebe Industrie 4.0 und alles ist toll“ und den „Bedenkenträgern“ ist eben ein weites Feld. Auch wir haben den Ansatz, behutsam die Firmen an die Themen heranzuführen,
    Wir brauchen Leute wie Sie, die die Firmen vorbereiten und für Sie kann es von Vorteil sein, jemanden zu haben, der das versteht und wirklich auch dann in Raum und Fläche umsetzen kann.
    Ihren Ansatz finde ich deshalb klasse und würde mich deshalb sehr freuen, wenn wir uns hierzu einmal austauschen.

    Viele Grüße, Birgit von Have (vonhaveprojekt)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme zu.