Ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg hat einen neuen Mitarbeiter. Er arbeitet kostenlos, übernimmt körperlich anstrengende Aufgaben und heißt Fifi. Fifi ist ein Roboter, der schwere Lasten trägt und einem Arbeiter überallhin folgt. Genauer ist Fifi ist ein elektronischer Hund, der per Handzeichen gesteuert wird. Hat er sein „Herrchen“ identifiziert, dann trägt, schiebt und hebt Fifi schwere Lasten durch die Fabrikhallen.

Es ist also soweit: Die Roboter halten auch abseits des Fließbands Einzug in unser Arbeitsleben. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine ist keine neue Ära, die kommen wird – die neue Ära hat längst begonnen.

Die Welt mit anderen Augen sehen

Es ist nicht nur der Fall aus Baden-Württemberg, der verdeutlicht, wie sehr die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sich bereits verändert hat und sich noch weiter wandeln wird.

Am spannendsten ist für mich zurzeit die Entwicklung der Augmented-Reality-Brillen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch die Stadt, schauen in ein Restaurant und Ihre AR-Brille zeigt Ihnen in Ihrem Blickfeld, welche Gerichte auf der Mittagskarte stehen und ob noch ein Tisch frei ist. Oder Sie gehen an einer Sehenswürdigkeit vorbei und bekommen die wichtigsten Informationen direkt in Ihr Sichtfeld projiziert.

Natürlich werden uns die AR-Brillen auch in der Industrie die Arbeit deutlich erleichtern. So erlaubt die Brille zum Beispiel den Blick in eine defekte Maschine, liefert Daten und lässt so Fehlerquellen erkennen – ohne die Maschine aufwendig auseinanderzubauen. Komplizierte Reparaturen können so schneller und leichter erledigt werden. Und das durch die Interaktion des menschlichen Auges und Verstands mit einem Roboter.

Auf ein Neues …

Vielen Menschen machen diese Entwicklungen immer noch Angst. Erinnern wir uns nur mal zurück an die Einführung der Weltneuheit von Google vor ein paar Jahren: die Google Glass. Die Reaktionen darauf waren gemischt. Der schnell geborene Begriff „Glassholes“ – so wurden potenzielle zukünftige Träger vorsorglich etikettiert – drückte das Unbehagen der Leute aus, ein „gläserner Mensch“ zu werden. Vielleicht war es für die Gesellschaft einfach noch ein paar Jahre zu früh.

Klar, Neuerungen können zunächst etwas einschüchternd wirken, aber denken Sie doch nur mal zurück: Auch wenn es vom ersten Benzin-Dreirad von Benz von 1886 (das als erstes Automobil gilt und in welchem anfangs kaum jemand eine ernsthafte Konkurrenz für Kutschen sah – vor allem nicht die Kutschenbauer) bis zur Fließbandfertigung bei Ford im Jahr 1913 noch ein gutes Vierteljahrhundert dauern sollte: Die technische Weiterentwicklung war doch unaufhaltsam.

Bedenken gab es auch vor 30 Jahren, als der ICE eingeführt wurde. Damals war unklar, welche negativen Auswirkungen die Beschleunigung auf den Körper hat. Heute wissen wir: keine. Es gab damals keinen Grund, den ICE zu meiden oder vor der Fahrt ängstlich zu sein. Und heute gibt es keinen Grund, sich vor den technischen Entwicklungen zu fürchten und sich in ein Roboter-Horrorszenario reinzusteigern.

Ein weiterer Meilenstein

Ich bin überzeugt, dass immer mehr Roboter schon bald zum alltäglichen Leben gehören werden. Und auch die Augmented-Reality-Brille. Schon bald werden diese technischen Brillen vielleicht genauso zu unserem Leben gehören wie Smartphones.

Zugegeben, optisch gibt es da aktuell noch viel zu tun. Momentan erinnern mich die Brillen an mein erstes Mobiltelefon. Das habe ich mir in den Achtzigern gekauft. Es sah aus wie eine Autobatterie mit Hörer und wog ganze drei Kilogramm! Aber ich bin mir sicher, wenn die AR-Brillen erstmal leicht und stylisch sind, dann werden sie den Markt erobern.

Bewusster Umgang

Selbstverständlich sollen Sie deshalb nicht bei jeder technischen Entwicklung blind „Hurra“ schreien. Und natürlich ist Kritik gegenüber den technischen Neuerungen in vielen Bereichen sinnvoll, zum Beispiel wenn es darum geht, Regularien zu schaffen und potenziellen Missbrauch einzudämmen. Schließlich darf die Technik keinen Schaden bringen. Sie sollten aber auch bedenken, dass Sie die Roboter auf viele Arten nutzen können, um sich Ihr Leben zu erleichtern und es besser zu machen.

Ich überlege seit Langem, wann die Roboter so weit sind, dass wir Menschen merklich weniger arbeiten können. Mit Hilfe der Roboter und weiteren Entwicklungen müsste es bald an der Zeit sein, dass all die stupiden, zeitfressenden Aufgaben von intelligenten Maschinen erledigt werden – so wie es mein Staubsaugerroboter und mein Mähroboter schon tun. Das sind keine Roboter, die uns die Arbeit wegnehmen und dafür sorgen, dass die Arbeitslosigkeit steigt. Nein, das sind nützliche Helfer, die uns die kleinen Arbeiten abnehmen, damit wir mehr Zeit für wichtige, herausfordernde Dinge haben.

Chancen erkennen

Ob es nun Roboter sind, die schwere Lasten tragen, ein kleiner Fensterputzroboter, der Millionen von Menschen das lästige Fensterputzen erspart, oder eine AR-Brille, die uns in Echtzeit über unsere Umgebung informiert – all diesen technischen Fortschritten von vornherein kritisch gegenüberzustehen wäre falsch. Verfallen Sie nicht in Pessimismus, sondern setzen Sie sich mit diesen Themen auseinander. Nutzen Sie die Chancen, die sich dadurch für Sie beruflich und privat ergeben. Sie bekommen von jemandem Unterstützung, den Sie weder zigmal bitten, noch sich bedanken oder revanchieren müssen. Privat überlassen Sie ihm das nervige Staubsaugen und das lästige Rasenmähen. Beruflich unterstützt Sie von nun an jemand bei den körperlich anstrengenden Aufgaben oder übernimmt die zeitfressenden Verwaltungsaufgaben.

Wenn ich meinen eigenen Roboter hätte, dann würde ich ihn so programmieren, dass ich selbst nur noch vier Stunden am Tag arbeiten müsste. Den Rest des Tages nutze ich dann meine gewonnene Zeit, um bei meinen Kindern und in der Natur zu sein, um mir Gedanken über die wichtigen Dinge zu machen und an meinen Vorträgen zu arbeiten. Sofort und absolut freiwillig würde ich dem Helferlein all meine administrativen Aufgaben wie die Buchhaltung, Reisekostenabrechnungen und alle anderen langweiligen Routinetätigkeiten übertragen.

Also an diese Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine könnte ich mich sofort gewöhnen, Sie etwa nicht?

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