Nehmen wir mal an, Sie sind in der glücklichen Lage, ein neues Firmengebäude bauen lassen zu dürfen. Sie möchten natürlich etwas kreieren, das nicht nur den heutigen Anforderungen entspricht, sondern das – im Idealfall – auch in 50 bis 60 Jahren noch up-to-date ist. Oder andersherum: Sie haben endlich durchgesetzt, dass Ihr Unternehmen nach Jahren mal wieder renoviert und modernisiert wird. So eine Investition ist natürlich nicht regelmäßig drin, daher muss die Neugestaltung gut durchdacht sein, damit sie lange Bestand hat.

Wie gehen Sie vor?

Think big – auch in Hintertupfingen

Wenn ich mit meiner Partnerin, einer erfahrenen Architektin, in ein Unternehmen komme, das sich eine räumliche Neugestaltung wünscht, dann beginnen wir immer mit einem Inspirationsvortrag. Dabei zeigen wir den Führungskräften erfolgreiche Unternehmensbeispiele, die wir auf unseren Reisen ins Silicon Valley, nach Colorado und zu anderen Hotspots zusammengetragen haben. Der Blick in die Büros der innovativen Konzerne wie Google, Apple und Airbnb öffnet das Denken und erzeugt Veränderungswillen in Bezug auf die eigenen Räumlichkeiten.

Zwar sind inzwischen viele Führungskräfte bereit, einen Wandel zu vollziehen, weil sie merken, dass das Arbeitsumfeld sehr wohl Einfluss auf die Arbeit ihrer Leute hat – oft mangelt es aber noch an der Vorstellungskraft, wie ein Raumkonzept für das eigene Unternehmen aussehen kann.

Außen hui, innen pfui

Der spannendste Augenblick für meine Partnerin und mich ist dann immer der „Lokalaugenschein“. Das ist der Abgleich zwischen dem Eindruck, den wir bekommen, wenn wir das Gebäude unseres Kunden betreten, und dem, was die Führungsriege vermitteln möchte. Oft tun sich nämlich zwischen den Unternehmenszielen, den verkündeten offiziellen Werten und der tatsächlichen Unternehmenskultur sowie dem Raumkonzept regelrechte Abgründe auf. Wer sich beispielsweise Transparenz auf die Fahnen schreibt, kann nicht in isolierten Kämmerchen vor sich hinarbeiten.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, in dem die Unternehmenskultur ideal mit dem Raumkonzept übereinstimmt, ist Ekso Bionics. Das Unternehmen ist in einer Fertigungshalle von Ford angesiedelt und stellt Gehroboter für Gelähmte und Schlaganfallpatienten her. Was der erste Ford vor etwa einem Jahrhundert für die Mobilität der Menschheit war, möchte Ekso Bionics für Menschen mit Handicap sein. Dort, wo also schon vor hundert Jahren bahnbrechende Neuerungen entstanden sind, werden auch heute Innovationen produziert. Bei dem Gebäude handelt es sich um loftartige Räume mit viel Glas. Das Besondere sind neben dem modernen Stil aber die Elemente, die aus der alten Architektur ganz bewusst übernommen wurden, wie zum Beispiel der Fabrikboden mit Originalbelag, der noch Spuren aus der Ford-Zeit trägt. Raumkonzept, Historie und Unternehmensmission spielen hier hervorragend zusammen.

Nun ist es jedoch keine Patentlösung, ein altes, historisch wertvolles Gebäude schlicht zu übernehmen. Vor allem wenn Sie vielleicht bereits in einem Gebäude sitzen, dem diese Historie fehlt und das einfach mit den Jahren zu steif für modernes Arbeiten geworden ist.

Schon eine kleine Dosis kann helfen

Wie viele Unternehmer haben Sie dann vielleicht durchaus den Willen zur Veränderung, aber eben auch die Angst vor der Planierraupe, die alles Bisherige platt macht. Ich kann Ihnen versichern: Diese Sorge ist unbegründet. Denn manchmal helfen schon homöopathische Veränderungen, die aber groß in der Wirkung sind.

Es macht zum Beispiel einen beachtlichen Unterschied, ob ein Meetingraum zum Austausch oder zu Machtspielchen einlädt. Große, kantige Tische, die die Teilnehmer voneinander trennen, laden herzlich wenig zur Zusammenarbeit und zum kreativem Gedankenaustausch ein. Sitzen die Meetingteilnehmer hingegen um einen runden, überschaubaren Tisch zusammen, versammeln sie sich quasi symbolisch ums Lagerfeuer. So hat der Raum direkt einen viel freundlicheren, kooperativen Charakter.

Auch warmes Licht in Kombination mit Tageslicht schafft eine deutlich angenehmere Atmosphäre als künstlich helle, flackernde Neonbeleuchtungen.

Sie sehen, erste Änderungen sind im kleinen Rahmen problemlos möglich.

Weit gedacht ist halb gemacht

Wie sollen Sie aber vorgehen, wenn Sie nicht nur eine homöopathische Dosis wollen, sondern gleich den Allheilsaft? Nun, da kann ich Ihnen von einer strategischen Immobilienberaterin erzählen, die ein klassisch geführtes Unternehmen vor 15 Jahren bei der Raumgestaltung beraten hat. Damals waren kleine Büros gewünscht. Glücklicherweise hat die Dame mit ihrem Konzept schon so weit nach vorne gedacht, dass sie nur Gipswände verbauen ließ. Jetzt, wo dasselbe Unternehmen Großraumbüros benötigt, können diese Wände ganz einfach und schnell wieder herausgenommen werden. Genau richtig, denn ich bin überzeugt: Je leichter sich Veränderungen durchführen lassen, desto eher werden sie gemacht.

Wenn Sie also eine Neuerung vornehmen wollen, müssen Sie nicht alles, was Sie haben, infrage stellen. Und wenn Sie etwas Neues erschaffen wollen, müssen nicht alle Bestandteile für die Ewigkeit sein. Wichtig ist, dass die DNA Ihres Unternehmens, Ihre Kultur und Ihre Ziele zu sehen sind. Denn nur dann sind Sie authentisch.

Finden Sie also die Balance: Was soll 100 Jahre währen und welche Dinge sollten Sie, je nach Bedarf, immer wieder ändern können?

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