Da stehe ich im Seminarraum eines großen Unternehmens und rund 30 Führungskräfte schauen irgendwie verwundert auf die Flip-Charts. Hier und da ein Kopfschütteln ob der augenöffnenden Eindrücklichkeit der Ergebnisse. Im Strategie-Workshop hatten wir mit dem Führungsteam die strategischen Projekte der vergangenen zwei Jahre in einem intensiven mehrstündigen Dialog auf den Prüfstand gestellt. Es war alles dabei – von großartigen Erfolgsgeschichten bis hinunter zu kostenintensiven Rohrkrepierern. Was machte den Unterschied? Und noch vielmehr: Warum hatte das detaillierte Projektmanagement die negativen Ausreißer nicht abgewandt?

Gleich vorab: Die Ergebnisse waren nicht wirklich überraschend. Aber wahrscheinlich braucht es trotzdem genau so eine intensive gemeinschaftliche Reflexion von Highlights und Lowlights, um die Bedeutung dessen zu erkennen, was sonst nur hohle Phrase bleibt. In diesem Dialog hatte das Führungsteam drei wesentliche Kriterien identifiziert, an denen das Unternehmen künftig noch vor Projektstart erkennen kann: Wird dieses Projekt erfolgreich – oder lassen wir es lieber bleiben?

Machen Sie den Test mit Ihrem Projektmanagement und aktuellen Projektideen! Ihre anvisierten Projekte sind nur Erfolg versprechend, wenn Sie die folgenden drei Kriterien erfüllen.

  1. Ihr Projekt ist konkret.

    Punkt 1 ist gefühlt so simpel, dass viele Projektmanager ihn allzu schnell vom Tisch wischen: Ihr Projekt muss konkret sein. Dass diese Voraussetzung so wichtig ist, können Sie hervorragend an einem aktuellen Beispiel beobachten, der Digitalisierung. Dieser Begriff ist so weit und damit für viele so wenig greifbar, dass das Projektmanagement eigentlich nicht wirklich greifen kann. Denn Sie arbeiten an einer unkonkreten Projektwolke, wodurch das Vorhaben gedanklich ausufert und damit nirgendwo wirklich anfängt und aufhört.

    Schauen Sie also, bevor Sie in Aktion gehen: Können Sie Ihr Projekt so eindeutig abgrenzen und definieren, dass Sie es konkret greifen können?
    Gut, dann können Sie den nächsten Punkt überprüfen.

  2.  Sie haben den passenden Treiber.

    Jegliches Projekt, das erfolgreich werden soll, benötigt einen motivierten Treiber, der sich seiner annimmt. Denn die Projektidee an sich kann noch so beeindruckend und vielversprechend sein – wenn niemand das Projekt ehrgeizig vorantreibt, wird es früher oder später einschlafen oder zumindest deutlich unter seiner Erfolgserwartung bleiben.
    Legen Sie sich also vor Projektstart ehrlich die Karten, ob Sie einen passenden Treiber für das Vorhaben haben. Jemanden, der vom Projekt begeistert ist, der sich damit identifizieren kann und gerne auch mal den Extraschritt geht, um sein Gelingen zu garantieren. Motivation ist dabei jedoch nicht alles: Besprechen Sie auch im Team, welche Qualitäten Ihr Treiber des aktuellen Projekts benötigt. Sind technische Skills gefragt, Leadership-Erfahrung oder vielleicht ein besonders guter Draht zum Kunden? Im Fall des weiter oben erwähnten Führungsteams waren die erforderlichen persönlichen Voraussetzungen neben Leidenschaft und Ownership vor allem eine Mischung aus technischem Know-how und Unternehmertum.
    Mit dem passenden Treiber bewahren Sie Ihr Projekt davor, in der Halbherzigkeit unterzugehen.

  3. Das Commitment von oben ist vorhanden.

    Nun wissen Sie schon fast, ob Ihre Projektidee das Zeug dazu hat, sich zur echten Erfolgsgeschichte zu entwickeln. Denn das Projekt muss nun nur noch eine letzte Hürde nehmen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Treiber die nötige Unterstützung „von oben“ hat.
    Ihr Projekt wird nur dann erfolgreich sein, wenn es mit dem Commitment der nächsthöheren Führungsebene rechnen kann. Das bedeutet Commitment zum Projekt – der Chef stellt zum Beispiel Ressourcen und Zeit dafür zur Verfügung –, aber auch zum jeweiligen Treiber, dem der Vorgesetzte vertrauen und gleichsam hilfreich zur Seite stehen sollte. Dieses Commitment kann sich dann sowohl in einem kraftvollen Sparring zeigen als auch in verständnisvoller Hilfe beim Krisenmanagement.
    Erhält der Treiber hingegen das Gefühl, ein Projekt wurde an ihn „wegdelegiert“, wird er immer auch den Eindruck haben: „Das Projekt ist meinem Chef wohl nicht wichtig.“ Wie soll daraus eine Success Story entstehen?

Das eingangs erwähnte Führungsteam hat aus dem Strategie-Workshop genau diese drei Punkte mitgenommen – und zwar in einer Klarheit und Bedeutung, die nun umsetzungswirksam wird. Jede neue Projektidee klopft es nun sorgfältig ab: Sind alle drei Punkte erfüllt? Gut, dann kann das eigentliche Projektmanagement starten. Ist auch nur einer der drei Punkte nicht vorhanden? Dann ist das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt und das Team kann sich die Energie sparen, lange Maßnahmenlisten zu erstellen oder eine halbherzige Umsetzung in Ganz zu bringen.

Wenn Ihr Projekt Ihre kritische Prüfung anhand dieser drei Punkte erfolgreich durchlaufen hat, dann bleibt mir nun nur noch, Ihnen viel Erfolg damit zu wünschen! Ich bin sicher, sie werden ihn haben.

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