COMMITMENT IS KEY

Rainer Petek Allgemein, Team, Unternehmen 31. März 2016 Leave a reply

Die Wand lag im Schatten, was die Bewegungen nicht gerade erleichterte. Alle Teilnehmer mussten mit höchster Konzentration klettern. Der Schweiß stand ihnen auf der Stirn, obwohl es nicht sehr warm war. Jeder achtete auf den anderen und gab sein Bestes – nicht nur beim Klettern, sondern auch beim Sichern der Kollegen.

Als ich mit meiner Workshop-Gruppe – den Führungskräften eines Logistikunternehmens – wieder im Seminarraum saß, sprach den Leuten die Freude über die gemeisterten Kletterrouten und der Stolz über die eigene Leistung aus den Gesichtern. Die Augen leuchteten vor Tatendrang. Vor der Klettertour war das noch völlig anders gewesen.

Der gefährliche Blick auf Ziele und Messgrößen

Das Unternehmen hatte mich hinzugezogen, um es beim Richtungswechsel zu unterstützen. Die Geschäftsführung wollte grundlegend reorganisieren. Unter anderem standen auch zwei Entlassungen an, weil die fraglichen Führungskräfte in der Runde nach der Umstrukturierung angeblich nicht mehr ins Unternehmen passen würden.

Das Gespräch tendierte zu Beginn in eine Richtung, von der Manager so oft meinen, sie müsste als Erstes geklärt und besprochen werden: Welche Ziele sollten angestrebt, welche Zahlen erreicht, welche Umsätze geschafft werden? Von den Zielen und Umsätzen ist es dann meist nicht weit zu den KPI’s und anderen Messgrößen und – von den Beteiligten meist unbemerkt – kippt das Gespräch in die ausschließliche Innenperspektive. Auch hier begann schon bald die Nabelschau: Angebliche Situationsanalysen, die eigentlich implizite Vorwürfe waren, und logisch darauf folgende Rechtfertigungen gingen hin und her.

Im Business gilt hier deshalb wie am Berg: Starten Sie nicht mit Zielen, sondern setzen Sie bei der Realität an. Wo stehen Sie? Welche Bedingungen beeinflussen das Unternehmen von außen? In welchem Kontext agiert es? Das führt nämlich weg von der Beschäftigung mit sich selbst und bringt den eigentlichen Existenzzweck des Unternehmens wieder ins Bewusstsein: den Beitrag für die Kunden.

Commitment braucht Vertrauen

Im Workshop bietet es sich deshalb manchmal an, wirklich einen Kunden oder einen Geschäftspartner einzuladen. Wenn das nicht möglich ist, kann „das Außen“ auch mit anderen Mitteln hereingeholt werden, in diesem Fall mit einer sehr differenzierten Kundenbefragung und mit Video-Statements von Kunden. Die Außenperspektive führt automatisch zu einer anderen Stimmung und Atmosphäre. Das funktionierte auch hier und die Führungskräfte des Logistikunternehmens wahren sichtlich bei der Ehre gepackt. Sie wollten ihr Unternehmen wieder auf Spur bringen. In der Frage, was denn nun genau und konkret getan werden müsse, herrschte aber weiterhin Unsicherheit und es entwickelte sich keine gemeinsame Aktionsidee.

Das Erkennen und die gute Absicht reichen eben noch nicht aus. Die Betroffenen müssen sich dann auch zutrauen, konkrete Veränderungen anzupacken.

Bei den Führungskräften des Logistikunternehmens brachte die Klettertour den Knoten zum Platzen. Sie erlebten sich als Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Das gemeinsame Commitment hatte sie trotz der großen Herausforderung ans Ziel gebracht. Dabei war sowohl die eigene Höchstleistung als auch die Teamleistung notwendig gewesen. Eine neue Erkenntnis war gewachsen: „Wenn wir etwas gemeinsam mit einem festen Willen anpacken, dann können wir das auch schaffen.“

Im Team zum Erfolg

In der zweiten Workshoprunde war dann eine ganz andere Energie da. Die Gruppe hatte erlebt, was sie gemeinsam schaffen kann. Nun war der Mut da, das Unternehmen neu aufzustellen und auch tiefgreifende Veränderungen umzusetzen. Gerade die zwei Mitarbeiter, die angeblich nicht mehr passen sollten, brachten gute Ideen ein und noch im Workshop wurde der Geschäftsführung klar: Die bleiben.

Auf dem Follow-up-Workshop ein halbes Jahr später konnte die Gruppe berichten, dass der Großteil der beschlossenen Maßnahmen erfolgreich umgesetzt worden waren. Das Erlebnis, gemeinsam mehr schaffen zu können, hatte die Gruppe zusammengeschweißt. Sie hatten erlebt: Das Workshop-Commitment hat gehalten. Sie hatten unmittelbar nach dem Workshop die kurzfristigen Maßnahmen umgesetzt und das hat weiter Vertrauen geschaffen, dass auch die restlichen Aktionspunkte umgesetzt werden können. Außerdem wissen sie seit dem Klettern: Wenn jeder Einzelne seine volle Leistung und sein ganzes Engagement überzeugt in das Team einbringt, gelingt die Entwicklung nach vorne. Dann kann sich die Gruppe großen Herausforderungen stellen und Berge überwinden.


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