ORIENTIERUNG JENSEITS VON ANWEISUNGEN – WIE GUTE FÜHRUNG GELINGT

Führung, Motivation, Eigenverantwortung
Rainer Petek Leadership 15. September 2016 Leave a reply

Nach Bergtouren oder einer Führung durch eine schwierige Nordwand-Route habe ich mir früher oft die Frage gestellt: „Habe ich heute in puncto Führung eine gute Leistung abgeliefert?“

Als Unternehmer kommt Ihnen diese Frage, auf Ihre Mitarbeiter bezogen, sicher bekannt vor. Wie eine Führungskraft im Unternehmen hatte ich stets den Anspruch, meinen Kunden nicht nur meinen Weg durch die Felswand „vorzuklettern“ – das hat meiner Meinung nach nicht viel mit Führung zu tun. Ich wollte meine Kunden befähigen, selbst zu guten Kletterern zu werden. Und dieses Prinzip sollte auch der Führung in Unternehmen zugrundeliegen.

Das alte Verständnis von Führung

Unter Führung verstehen bis heute viele, dass die Arbeitsschritte für die Mitarbeiter vom Chef klar definiert werden. Wer übernimmt welche Aufgabe, bis wann, in welchem Umfang, in welchen Zeitslots – alles exakt vorgegeben. Im Fokus steht bei dieser Art der Führung der Mitarbeiter. Auf ihn richtet die Führungskraft ihre Aufmerksamkeit, er ist das Ziel aller Führungsbemühungen.

In Unternehmen, die in einem weitgehend störungsfreien Marktumfeld operieren (allerdings: welche Unternehmen tun das noch?) und deren Grundlage genau abgestimmte Produktionsprozesse sind, mag diese Organisation sicher auch noch ihre Berechtigung haben. Doch je komplexer die Prozesse in einem Unternehmen werden, desto schneller stößt diese veraltete Form der Führung an ihre Grenzen. Zumal sie eine Komponente oft völlig vernachlässigt: den Kunden und sein brennendstes Problem. Denn wenn Sie so handeln, dann fokussieren Sie sich ganz auf interne Abläufe und geben laufend Anweisungen. Dann kontrollieren Sie mit Ansagen – und das hat mit guter Führung wenig zu tun.

Mit dieser Form der Führung haben Sie irgendwann Mitarbeiter – im wahrsten Sinn des Wortes – unter sich: Mitarbeiter, die tun, was Sie sagen. So haben Sie aber auch Mitarbeiter, die keinerlei Eigenverantwortung entwickeln (diejenigen haben Sie nämlich höchstwahrscheinlich verlassen) und keine Möglichkeit sehen, ihr Können einzubringen. Selbstständiges Denken und Handeln ist hier Fehlanzeige.

Die Folge für Ihr Unternehmen ist eine logische: Ebenso wie Ihre Mitarbeiter entwickelt es sich nicht mehr weiter. Es stagniert. Und das in einem Markt, der voller Dynamik und Ungewissheiten steckt. Eher ungünstig …

Der Stolz auf die eigene Leistung

Damit Ihr Unternehmen zwischen Digitalisierung, Globalisierung und permanent neuen Herausforderungen am Markt den Anschluss nicht verliert, lohnt es sich, Ihre Führung anzupassen. Geben Sie eben nicht einfach nur Anweisungen.

Lassen Sie es mich mit einer Bergmetapher erklären: Mit Kunden, denen ich jeden Step, jeden Routenabschnitt, jeden zu nützenden Felsvorsprung regelrecht vorkaue und aufzeige, werde ich keine großen Herausforderungen schaffen. Da schafft man höchstens Allerweltstouren. Die großen Touren schafft man nur mit reifen, selbstständigen Bergsteigern und Kletterern. Mit denjenigen, die bei einer großen Sache dabei sein wollen und sich selber wachsen spüren wollen. Die hier und dort ein wenig Unterstützung brauchen, sich sonst aber frei und aus eigenen Stücken engagieren und entwickeln wollen. Die es nicht ausstehen können, wenn Ihnen jemand im Weg steht oder sie bevormunden will.

Denn genau aus einer gemeinsamen Orientierung auf eine große Sache entsteht die Kraft, die Menschen – Bergsteiger wie Mitarbeiter – immer wieder vorantreibt. Und die erreichen Sie nicht durch eine Führung der Anpassung und Kontrolle.

Was Sie mit guter Führung erreichen

Begeistert mitdenken, eigene Ideen einbringen, in ungewissen Zeiten engagiert neue Richtungen einschlagen – das sind Qualitäten, die bei Ihren Mitarbeitern nicht auf Knopfdruck oder Ansage anspringen. Hierzu braucht es eine Form der Führung, die Platz für echte Begeisterung und engagiertes Mitarbeiten und -denken lässt.

Schaffen Sie Ihren Mitarbeitern daher Freiräume, in denen sie sich entwickeln und eigenständig denken können. In denen sie von sich aus ins Handeln kommen. Und innerhalb derer sie mit Ihrem Unternehmen und damit auch mit Ihnen als Führungskraft bereitwillig mitgehen wollen.

Wirkliche Führung bedeutet also, kurz gesagt, Ihrem Team in erster Linie Raum zum Denken und Handeln zu schaffen. Und mit dieser Führung können Sie dann selbst nicht vorhersehbaren Reaktionen Ihrer Kunden und nicht berechenbaren Schwankungen des Marktes leichter begegnen – weil mehr als ein Kopf mitdenkt und Ihr Unternehmen wieder in Führung bringt.


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