LEIDENSCHAFTLICH INNOVATIV: IHR WEG ZU NEUEN IDEEN

Innovation, Mitarbeiter, Team, Rainer Petek
Rainer Petek Innovation 15. Februar 2017 Leave a reply

Kollege Müller schielt zum x-ten Mal auf seine Uhr: „Nur noch zwei Stunden, dann ist endlich Feierabend! Gut, in der Zeit mache ich eh nicht mehr viel …“ Auf dem Gang saust unterdessen Herr Schmidt vorbei. „Herr Müller, ich komme gleich kurz zu Ihnen wegen des neuen Prototyps!“, ruft er noch kurz in den Raum. „Mir geht da nur gerade eine Idee durch den Kopf, die muss ich noch schnell aufschreiben!“

Unglaublich, was für verschiedene Arten von Mitarbeitern es gibt! Die Palette reicht von leidenschaftlich bis Zeittotschläger – mit vielen Graustufen dazwischen. Natürlich wollen Sie in Ihrem Unternehmen lieber den engagierten, initiativen Schmidt sehen, der immer wieder neue Ideen produziert. Einer, der leidenschaftlich seiner Arbeit nachgeht.

Die Frage ist nur: Wie finden Sie im Vorfeld heraus, bei welchen Projekten Ihr Mitarbeiter Schmidt so richtig leidenschaftlich aufgeht – und eben nicht zum gelangweilten Müller mutiert?

Leidenschaftlich dabei? Pech gehabt!

Beim Herausfiltern der passenden Mitarbeiter für ein Projekt kommt ein verbreiteter Nachteil zum Vorschein: Im deutschsprachigen Raum herrscht in einer Vielzahl von Unternehmen nach wie vor der gute alte Zugehörigkeits-Mainstream. Heißt: Die Zugehörigkeit zu festen Bereichen, Abteilungen, Sparten ist höchst beliebt. Das eine Projekt findet selbstverständlich in der Produktionsabteilung statt, das andere in der Entwicklung. Schließlich gibt es die eine passende Abteilung dafür, die durch ein festes Team getragen wird. Überschneidungen und Austausch? Eher ungern. Führungskräfte können ihre Leute doch nicht so einfach abgeben.

Was aber, wenn ein Mitarbeiter in der Produktion eine wahnsinnig innovative Idee hat, die über den eigenen Bereich hinausgeht? Wenn er diese leidenschaftlich gerne vorantreiben würde? Tja. Falsche Abteilung, Pech gehabt.

Klingt schwierig – wie kann ich helfen?

Echte Innovationen und frische Ideen entstehen nicht in zementierten Strukturen. Damit Mitarbeiter sich leidenschaftlich einbringen, brauchen Sie den Raum, Ihre besondere Leidenschaft zu wählen. Genau wie ich es im Silicon Valley erlebt habe: Wenn eine Person eine mutige Idee hat, sagt dort niemand: „Bist du verrückt? Das können wir nicht machen!“ Sondern die Menschen antworten: „Das könnte schwierig werden, aber das klingt sehr interessant … Wie kann ich dabei helfen?“ Was glauben Sie, wie leidenschaftlich ein Mitarbeiter sich einbringt, der auf diese Weise zu einem neuen Projekt kommt?

In der Welt des Bergsteigens ist das nicht anders. Wenn ich mit Menschen auf einen Berg will, merke ich sehr schnell, wer leidenschaftlich gerne nach oben will oder wer nur ein schickes Beweisbild absahnen möchte. Letztere Person kann ich vielleicht noch mit auf einen „normalen“ Berg nehmen, aber um anspruchsvollere Gipfel oder Routen zu schaffen, braucht es Leidenschaft. Denn eine leidenschaftliche Person wird alles dafür tun, an ihr Ziel zu kommen.

Weg mit dem Zwang, her mit der Freiwilligkeit

Diese leidenschaftlichen Menschen für ein Innovationsteam zusammenzustellen, ist nun sicher keine leichte Aufgabe. Aus meiner Erfahrung bin ich mir jedoch ganz sicher: Sie entstehen auf einer Basis der Freiwilligkeit. Denn Mitarbeiter, die sich ihr „Baby“ entsprechend ihrer Talente und ihres Könnens aussuchen können, handeln automatisch leidenschaftlich und zielorientiert. Hier heißt es für Sie als Führungskraft eher aufzupassen, dass diese Leute nicht zu leidenschaftlich und zielorientiert werden und sich in eine Idee verbeißen und dabei die nötige Lockerheit verlieren.

Viele Führungskräfte, denen ich rate, auf Freiwilligkeit zu setzen, reagieren zunächst verschreckt: Ob sich ohne Zuständigkeitszwänge überhaupt noch jemand für die Aufgabe meldet? Glauben Sie mir, Sie werden überrascht sein, wie viele Ihrer Mitarbeiter nur auf die Chance warten, Sie bei Ihren Innovationen talentbasiert zu unterstützen!

Diesen Mut wünsche ich Ihnen: dass Sie sich von Organigrammen und Abteilungen verabschieden auf die freiwillige Unterstützung Ihrer Mitarbeiter bauen – ja, diese überhaupt erst ermöglichen. Ein Mitarbeiter, der sich leidenschaftlich eines Projekts annimmt, sitzt immer an der richtigen Stelle im Unternehmen. Und das macht hochinnovativ.


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