DER ROBOTER IM OP-KITTEL

Rainer Petek, Roboter, Digitalisierung, Mitarbeiter
Rainer Petek Unternehmen 15. März 2017 Leave a reply

Starr wie ein Roboter liegt der Patient auf dem Operationstisch. „Die Narkose wirkt einwandfrei – wir fangen an! Einmal aufmachen, bitte.“

Doch anstatt von Menschenhänden setzen Hightech-Arme den ersten Schnitt mit dem Skalpell. Denn hier direkt am Patienten arbeitet kein Arzt. Nein, hier operiert ein Roboter … Ich muss gestehen, ich war ziemlich baff, als ich letzten Monat auf einem OP-Symposium in der Schweiz die Abschluss-Keynote hielt und deswegen neue Einblicke in die Arbeit und Zusammenarbeit von OP-Teams erlangte.

In Zeiten der Digitalisierung ist es völlig normal, dass neue Technologie auch in zuvor kaum vorstellbaren Bereichen ihren Einsatz im Arbeitsalltag findet. Wie wahrscheinlich ist es da, dass Roboter den Menschen irgendwann gänzlich aus seiner Rolle in der Arbeitswelt verdrängen?

Die Angst vor der Ersetzbarkeit

Roboter – bei dem Wort klingelt bei vielen Menschen sofort die Alarmglocke: „Ersetzbarkeit“ steht da auf der Warnanzeige. In vielen Branchen und Wirtschaftszweigen sind die Automatisierung und künstliche Intelligenz bereits weit vorangeschritten. Gängige Berufsbilder sind solch einem enormen Wandel ausgesetzt, dass sich nicht nur am Fließband, sondern selbst in hochanspruchsvollen Jobs einschneidende Veränderungen zeigen – wie beispielsweise der Roboter im OP-Saal des Krankenhauses. Die Folge davon ist bei den Mitarbeitern verständlicherweise Angst. Angst vor der bevorstehenden Zeit und der potenziellen Unwichtigkeit fürs Unternehmen.

Diese Angst ist nicht ganz unberechtigt, schließlich findet der Prozess – weg vom Menschen, hin zur Maschine – nicht erst seit gestern statt. Doch dass der Trend nun nicht einmal mehr vor Berufen haltmacht, in denen anspruchsvolle geistige Arbeit notwendig ist, schürt die Sorgen von Arbeitnehmern weiter.

Wenn nicht einmal Wirtschaftsprüfer, Moderatoren, Anwälte oder eben Ärzte vor der Bedrohung durch Roboter oder künstliche Intelligenz sicher sind, wie sehen da die Arbeitschancen der Zukunft aus?

Negativ ist eigentlich positiv

Ich glaube, viele Menschen betrachten die Themen Roboter und Digitalisierung zu stark von der negativen Seite. Ja, die Unterstützung durch Roboter bei Operationen ist zum Beispiel schon in vielen Krankenhäusern gang und gäbe. Doch ausnahmslos schlecht ist das sicher nicht. Der Chirurg führt den Roboter über einen hochauflösenden Bildschirm, führt die Schnitte präziser und bei schlecht zugänglichen Stellen vor allem aus einer ergonomisch optimalen Position. Risiken werden minimiert und Operationen grundsätzlich sicherer. Denn dass ein Roboter aufgrund von Müdigkeit Fehler macht, können Sie kategorisch ausschließen.

Das macht den Menschen jedoch noch lange nicht überflüssig. Schließlich bedient sich ein Roboter nicht von alleine und Symptome am Patienten wollen auch erst einmal per Menschenhand festgestellt werden. Und dafür braucht es das individuelle Wissen von Spezialisten. Deren Expertise und Können dann wieder durch Roboter oder Computer ergänzt oder verbessert werden kann. Der Super-Computer Watson beispielsweise durchsucht 3.500 wissenschaftliche Artikel in nur 17 Sekunden und erstellt bei Krebserkrankungen eine Diagnose inklusive dreier Behandlungsempfehlungen. Ohne die Hilfe künstlicher Intelligenz wäre solch ein schnelles Vorgehen schlichtweg unmöglich. Doch was wäre Watson ohne den Menschen, der dem „Roboter“ seine Intelligenz füttert?

Menschen werden deshalb im Job nie gänzlich unwichtig werden. Was ich beobachte, ist vielmehr eine Verschiebung der Rollen und eine enorme Zunahme der Bedeutung von intelligenter Zusammenarbeit.

Damit der Fortschritt Sie nicht überholt

Das heißt nun aber nicht, dass Sie sich beruhigt zurücklehnen können. Bitte sitzen Sie nicht herum und warten, bis der Fortschritt Sie überholt. Seien Sie lieber die Person, die lernt, wie ein Roboter bedient wird. Oder der Mitarbeiter, der sich mit einer technischen Fortbildung zum unverzichtbaren Player im Team macht. Oder die Führungskraft, die die Voraussetzungen für intelligente Digitalisierung im Unternehmen schafft. Wenn Sie so mit der digitalen Entwicklung gehen, wird ein Roboter sich gar nicht erst zu Ihrer Konkurrenz mausern können. Denn wenn Sie auf diese Weise offen bleiben, ist die Digitalisierung keine Bedrohung, sondern etwas Selbstverständliches. Ein Prozess, der zum Arbeitsleben dazugehört. Auf Telefone ohne Schnur und Computer mit Internet haben Sie sich doch auch eingestellt. Und heute findet sie niemand mehr absonderlich.


Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.