MAKER-BEWEGUNG – WIR BAUEN EINE NEUE WELT

Tech Shop, Maker, Industrie, Technik, Silicon Valley, Unternehmen, Digitalisierung, Führung, Management
Rainer Petek Unternehmen 29. März 2017 1 Comment

Ein Maker – wer oder was ist das eigentlich? Das habe ich mich bis vor einem Jahr auch noch gefragt. Im Schatten der digitalen Software-Startups und App-Schmieden hat sich eine Bewegung entwickelt, die allmählich auch im deutschsprachigen Raum für Furore sorgt.

Denn Maker, das sind Leute, die anfassbare, „echte“, analoge Produkte in der „Real World“ herstellen wollen – und zwar indem sie die neuesten digitalen Technologien zur Produktion und zum Vertrieb ihrer Produkte nutzen.

Im Effekt ist diese Community hoch kreativ und enorm innovativ – also genau, was Unternehmen im Digitalisierungszeitalter brauchen.

Ein Paradies für Maker

Maker finden Sie überall dort, wo ein hoher Anspruch an Ästhetik und Nutzen zusammentreffen. Ich habe beispielsweise bei meinem Besuch im Silicon Valley die „Tech Shops“ vor Ort gesehen. Sie sind so etwas Ähnliches wie ein kleiner Maschinenpark zur Fertigung von Prototypen. Ein Maker kann sich dort für einen kleinen Beitrag einmieten und alle Geräte und Maschinen benutzen: von der Laser-Fräse bis zum 3D-Drucker.

Was da für Freaks zusammenkommen, ist unglaublich! Über dem Eingang steht „Build your dreams here“ und drinnen machen die Leute genau das: Sie erschaffen ihre Träume. Und das mit einem Enthusiasmus, der einem die Sprache verschlägt. Echte Maker eben.

Luftschlösser mit Marktpotenzial

Mich interessierte als typisch skeptischer Mitteleuropäer natürlich die Frage, ob diese hoch leidenschaftlichen Luftschloss-Maker nur sich selbst verwirklichen, oder ob die Ergebnisse ihres Schaffens tatsächlich Marktchancen haben.

Ich erfuhr sogleich eine beeindruckende Geschichte. Eine Makerin testete im Tech Shop verschiedene Bearbeitungsverfahren von Bambus, um ästhetisch besonders schöne, aber auch besonders widerstandsfähige und dünne Oberflächen für kleine Gegenstände zu erhalten.

Beim Herumprobieren erzielte sie großartige Ergebnisse, die sich in der Community herumsprachen – und einem Manager von Apple zu Ohren kamen. Der fragte sie, ob sie mit ihrem Verfahren auch iPhone-Cases herstellen könne. Sie probierte es aus und es funktionierte. Das Resultat: Das Unternehmen kaufte ihr die Rechte am Herstellungsverfahren ab – kolportierter Preis: ein einstelliger Millionenbetrag in US-Dollar. Nun setzte sie sich nach diesem glänzenden Geschäft nicht etwa zur Ruhe, sondern bastelt bereits in echter Maker-Manier an der nächsten Idee.

Made in Europe?

Was mich an dieser Szene fasziniert, ist die darin steckende gesellschaftliche Chance, die Produktion aus Asien und anderen Billiglohnländern wieder zurück ins Land zu holen. Das gilt für die USA genauso wie für Europa.

Außerdem beeindrucken mich die individuellen Chancen für die einzelnen Maker. Die Hürde, von null auf Erfolg zu springen, ist durch die vielen technologischen Neuerungen der Digitalisierung extrem niedrig geworden. Es braucht nicht unvorstellbar viel, um aus einer Maker-Geschäftsidee ein florierendes Startup zu machen – und zwar nicht nur im Dienstleistungs- oder im Software-Sektor, sondern sogar in der industriellen Produktion.

Ich wünsche mir, dass sich traditionelle deutschsprachige Unternehmen etwas von dieser Maker-Bewegung abschauen und in ihren Firmen implementieren. Maker – auf gut deutsch: Macher, die anpacken und motiviert ausprobieren – kann es ja nie genug in einem Unternehmen geben!


1 Kommentar

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entfernungsmesser 11. Mai 2017 at 6:13

Hey Danke fuer die schoene Zeit auf dieser Webseite. Macht weiter so. Da kommt man gerne wieder vorbei.


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