Zukunft

Ziemlich skeptisch – Warum wir uns bei der Digitalisierung selbst im Weg stehen

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Rainer Petek Unternehmen 22. November 2017 Leave a reply

Da kommen Sie mit einer genialen Idee ins Unternehmen und präsentieren Ihren Geistesblitz stolz den Kollegen – und dann? Dann werden skeptisch alle möglichen Risiken analysiert – so lange, bis die einst so gute Idee niedergeschmettert ist.

Es ist der Umgang mit neuen Ideen, der mir Kopfzerbrechen bereitet. Viel zu oft erlebe ich, dass die Menschen sich lieber absichern und das bewahren, was sie schon kennen. Neuem stehen die meisten skeptisch gegenüber, denn Neues ist immer ungewiss, birgt Gefahren und vielleicht auch Nachteile. Eine neue Idee? Hm … erstmal schauen, was schiefgehen könnte! Ich glaube, mit diesem Ansatz schafft es die beste Idee der Welt nicht bis zur Umsetzung. Ist diese skeptische Grundhaltung denn eine Eigenschaft, die hauptsächlich auf die Deutschen und Österreicher zutrifft?

Tolle Idee! Das machen wir – nicht!

Vor einiger Zeit besuchte ich zwei Hamburger Manager, die ich im Frühjahr zufällig im Silicon Valley getroffen hatte. Total euphorisch und voller Ideen kamen beide damals in ihre Unternehmen zurück und starteten voller Elan die neuen Projekte, für die sie viel Zuspruch bekamen. Anfangs. Dann kamen die ersten skeptischen Zweifel. Weitere folgten. Der erste geäußerte Zweifel hatte zur Folge, dass plötzlich zehn weitere Türen aufgingen, aus denen zusätzliche Zweifler hervorkamen, was wieder noch mehr Zweifler mobilisierte. Das Resultat: Beide Manager waren total frustriert und verloren all ihre Energie, die Ideen aus dem Silicon Valley im eigenen Unternehmen umzusetzen. Einer hat mittlerweile sogar das Unternehmen verlassen.

Während in Amerika eine neue Idee mit Fragen wie „Kann ich dir einen Kontakt vermitteln?“ oder „Wie kann ich dich unterstützen?“ empfangen wird, donnert den neuen Ideen bei uns ein skeptisches „Wie soll das denn funktionieren?“ entgegen.

Erstmal skeptisch abwägen

Mit genau solch einer skeptischen Einstellung treten viele Unternehmer und auch Mitarbeiter der Digitalisierung entgegen. Denn die Menschen spüren: Die Digitalisierung bringt radikale Veränderungen mit sich. Und das ist irgendwie unbequem. Digitalisierung bedeutet für die meisten Menschen Ungewissheit, Gefahr und Nachteile – so die weitläufige Meinung. Deshalb wollen auch hier viele das sichere Terrain nicht verlassen.

Ich kann das sogar teilweise verstehen, denn es gibt einen richtig unbequemen Haken bei der Sache. Der Chief Digital Officer einer Bank sagte mal zu mir: „Disruption eines Geschäfts erfordert Disruption der eigenen Identität.“ Und er hat recht! Jeder einzelne muss sein eigenes Konzept radikal in Frage stellen, notfalls sogar auflösen. Dadurch kann natürlich das Selbstverständnis und das Machtgefüge der einflussreichsten Personen im Unternehmen ins Wanken geraten. Denn beginnen muss die Chefetage. Hier ist jetzt ausnahmsweise Skepsis mal erlaubt – aber nur gegenüber sich selbst. Dass das ungemütlich ist, streite ich gar nicht ab. Schließlich geht es dabei ran an sich selbst, ran an eventuell Jahrzehnte bestehende Unternehmenskulturen. Vielleicht hat sich an der einen oder anderen Schraube schon Rost gebildet. Bis sich da alle Rädchen wieder drehen … das ist mühsam! Sie können mir aber glauben: Die Schmerzen der Nichtänderung sind viel größer als die Schmerzen der Änderung.

Tiefschnee statt Piste

Besonders Manager, die eigentlich mutig voran ins Ungewisse schreiten sollten, sind skeptisch. Das bringt mich als ehemaligen Profi-Berg- und Schiführer zu einer Analogie: Manager sind meist typische Pistenfahrer. Auf der unternehmerischen Piste der Vergangenheit fühlen sie sich sicher, hier haben sie Routine in ihren Bewegungen, kennen den Grund auf dem sie fahren. Digitalisierung erfordert aber, die präparierten unternehmerischen Pisten zu verlassen und eigene Spuren im Tiefschnee zu ziehen. Dort helfen die altbewährten Techniken allerdings nicht mehr. Da gilt es, sich in das Ungewisse zu wagen und die skeptischen Überlegungen hintanzustellen. Denn um die nächste Kurve zu nehmen, brauchen sie im Tiefschnee auch noch ordentlich Speed, sonst bleiben sie stecken.

Genau so sollte es auch im Rahmen der Digitalisierung laufen! Sie sollten Geschwindigkeit aufnehmen, um am Zahn der Zeit zu bleiben. Ja, es stimmt: Die Auswirkungen und Fortschritte der Digitalisierung werden an vielen Stellen kurzfristig überschätzt. Ich befürchte allerdings, dass genau deswegen viele Unternehmen die Digitalisierung bzw. deren langfristige Auswirkungen unterschätzen. Es ist fatal, aufgrund von Skepsis, das Thema vor sich herzuschieben. Warum können Sie und Ihre Mitarbeiter nicht heute schon „üben“, was Sie morgen benötigen? Sie werden in Zukunft Qualitäten und Fähigkeiten brauchen, deren Erwerb Sie Zeit kostet. Also geht es darum, jetzt schon anzufangen. Wenn Sie Ihre Zeit lieber in skeptische Analysen stecken, statt konsequent daran zu arbeiten, werden Sie über kurz oder lang ins Stolpern geraten.

Step by step

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte Ihnen keinesfalls Angst machen. Aber ich habe das Gefühl, dass die Digitalisierung kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt wird. Sie sollen keinesfalls von heute auf morgen alles umkrempeln. Aber was Sie brauchen sind einerseits gezielte Investitionen in das individuelle und gemeinschaftliche Können ihrer Leute und andererseits Interventionen, bei denen Sie sich mit radikal Neuem auf geradezu erschütternde Art und Weise auseinandersetzen. Diese zwei Aspekte sind unabdingbar.

Vielleicht hilft Ihnen folgende Geschichte bei der Umsetzung. Wenn meine Tiefschnee-Schüler früher lernten im Tiefschnee zu fahren, gab es immer einen Dreiklang: Zuerst verstehen, wie sie die Skier im Tiefschnee am besten belasten und wie ein Schwung ausgelöst wird, wenn man keinen festen Untergrund hat, von welchem man sich abstoßen kann. Dann mussten sie es üben. Der dritte Punkt war das unterstützende Umfeld. Die Teilnehmer brauchten die anderen Teilnehmer und mich als Trainer für den Erfahrungsaustausch. Dafür filmte ich sie bei der Abfahrt. Mithilfe des Videos konnte ich ihnen ganz konkrete Tipps geben. Diesen Dreiklang wiederhole ich immer wieder: verstehen, ausprobieren, austauschen. So lernten meine Teilnehmer das Tiefschneefahren schneller, als sie selbst es geglaubt hatten.

Für den digitalen Wandel gilt dasselbe. Orientieren Sie sich an diesen drei Schritten, dann werden Sie und Ihre Mitarbeiter immer sicherer im Umgang mit der Unsicherheit.

Die jungen Hasen und die alten Füchse

Der Zug ist keinesfalls abgefahren, wenn Sie sich erst im nächsten Jahr mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Entscheidend ist, dass Sie damit anfangen. Schließlich wollen Sie und Ihr Unternehmen ja mittel- und langfristig eine Rolle spielen.

Sie dürfen auch weiterhin skeptisch sein. Und zwar, wenn es darum geht, mutige Personalentscheidungen zu treffen. Seien Sie skeptisch was die Besitzstände und Besitzstandswahrung angeht. Vielleicht holen Sie sich auch ein paar „junge Wilde“ in die Gremien, die einen Hauch der Silicon-Valley-Einstellung in Ihr Unternehmen bringen?!

FÜHRUNG IST EIN WECHSELSPIEL

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Rainer Petek Leadership 21. Juni 2017 Leave a reply

Ein großer Trugschluss puncto Führung liegt darin, zu meinen, es gehe darum Mitarbeiter „mitzunehmen“. Das geht aus meiner Sicht am Kern der Sache vollkommen vorbei.

Denn es gilt beim Führen im Unternehmen das gleiche simple Prinzip wie beim Bergführen. Stellen Sie sich vor, ich hätte in meiner Zeit als aktiver Bergführer die Führung meiner Kunden ausschließlich von mir aus geplant: wie und wohin ich diese mitnehme, wie ich sie motiviere etc. Und dann wäre folgende Situation eingetreten: Es kommt kein Kunde, der mitgehen will.

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DIE SCHNELLSTE STRATEGIE ENTSTEHT LANGSAM

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Rainer Petek Unternehmen 3. Mai 2017 Leave a reply

Wenn es um Strategie geht, stehen viele Führungskräfte vor einem ähnlichen Dilemma, egal ob sie zur Topriege oder zum mittleren Management gehören: Um über Strategisches nachzudenken, fehlt vielen schlicht die Zeit. Sie stecken fest im ständigen Firefighting-Modus, sind also ununterbrochen damit beschäftigt, Brände zu löschen. Unter diesem operativen Druck gerät die Beschäftigung mit strategischen Fragen fürs Unternehmen geradezu zur Utopie.

In der Folge sind viel zu viele Unternehmen stark reaktiv unterwegs. Dabei könnten sie ihre Zukunft proaktiv besser gestalten. Um wieder Raum für Strategisches zu schaffen, ist ein massiver Wandel im Denken und Handeln die einzige Lösung.

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MAKER-BEWEGUNG – WIR BAUEN EINE NEUE WELT

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Rainer Petek Unternehmen 29. März 2017 1 Comment

Ein Maker – wer oder was ist das eigentlich? Das habe ich mich bis vor einem Jahr auch noch gefragt. Im Schatten der digitalen Software-Startups und App-Schmieden hat sich eine Bewegung entwickelt, die allmählich auch im deutschsprachigen Raum für Furore sorgt.

Denn Maker, das sind Leute, die anfassbare, „echte“, analoge Produkte in der „Real World“ herstellen wollen – und zwar indem sie die neuesten digitalen Technologien zur Produktion und zum Vertrieb ihrer Produkte nutzen.

Im Effekt ist diese Community hoch kreativ und enorm innovativ – also genau, was Unternehmen im Digitalisierungszeitalter brauchen. Read More

DER ROBOTER IM OP-KITTEL

Rainer Petek, Roboter, Digitalisierung, Mitarbeiter
Rainer Petek Unternehmen 15. März 2017 Leave a reply

Starr wie ein Roboter liegt der Patient auf dem Operationstisch. „Die Narkose wirkt einwandfrei – wir fangen an! Einmal aufmachen, bitte.“

Doch anstatt von Menschenhänden setzen Hightech-Arme den ersten Schnitt mit dem Skalpell. Denn hier direkt am Patienten arbeitet kein Arzt. Nein, hier operiert ein Roboter … Ich muss gestehen, ich war ziemlich baff, als Read More

DIE NÖTIGE VERRÜCKTHEIT FÜR INNOVATIONEN

Innovationen, Rainer Petek, Führung, Innovation, Mitarbeiter, Zukunft
Rainer Petek Innovation 1. März 2017 Leave a reply

Meetingraum, 9.30 Uhr, die auserkorene Geburtsstätte von Innovationen. Inzwischen ist die Runde aus Abteilungs- und Projektleitern beim vierten Kaffee und der zweiten Brezel angekommen. Das Whiteboard füllt sich ebenso – „Kreativtag am 10. März in Kongressraum 1“, „Umfrage in der Innovationsabteilung zum neuen Produkt“, „Marktforschung beauftragen“.

Der neue Mitarbeiter am Board hebt langsam seine Hand: Read More

FRACKSAUSEN BEI ENTSCHEIDUNGEN – NICHT IN IHREM UNTERNEHMEN!

Entscheidungen, Unternehmen, Innovation, Denken, Regeln brechen
Rainer Petek Innovation 9. Februar 2017 Leave a reply

Wofür haben Sie in Ihrem Unternehmen Manager und Führungskräfte eingestellt? Genau, um Entscheidungen zu treffen. So einfach ist das.

Doch bei voranschreitender Digitalisierung, steigender künstlicher Intelligenz und immer neuen Innovationen fällt es Führungspersönlichkeiten in der Praxis zunehmend schwerer, wichtige Entscheidungen zu treffen. Read More

JOUR FIXE MIT DER ZUKUNFT: IN DREI SCHRITTEN ZU MEHR INNOVATION

Zukunft, Innovation, Jour Fixe, Führungskraft, Kalender, Planung
Rainer Petek Zukunft 3. Februar 2017 Leave a reply

9 Uhr Vorstandsmeeting, 13 Uhr Aufsichtsratssitzung, 17:30 Uhr Treffen mit der Kommunikationsabteilung – wenn Führungskräfte von einem Meeting zum nächsten hetzen, ist es kein Wunder, dass das Thema Zukunft auf der Strecke bleibt. Strategische Innovationen entstehen nun mal meistens nicht aus einem Ideenblitz in der Kaffeepause. Sie sind das Ergebnis von bewusst investierter Zeit. Read More