„Wenn ihr in die Gletscherspalte fahrt, seid ihr tot. Wenn ihr aber meiner Spur folgt und so fahrt, wie Ihr es bei den letzten Hängen gezeigt habt, dann schafft ihr das ohne Probleme.“ Was glauben Sie, wie meine Skitourenteilnehmer reagiert haben, wenn ich mit ihnen, in meiner Zeit als Profi-Bergführer, vor einem Abschnitt mit gefährlichen Gletscherspalten stand und ihnen das sagte? Glauben Sie mir, durch die schonungslose Benennung der Herausforderung

Zwischen Work 4.0 und agiler Arbeit wird ein Thema ganz groß geschrieben: Flexibilität ist das A und O, um auf die sich schnell wandelnden Rahmenbedingungen des Marktes reagieren zu können. Diese Flexibilität beginnt nicht zuletzt am Arbeitsplatz Ihrer Mitarbeiter. Viele Unternehmen bemühen sich, flexible Arbeitsformen zu ermöglichen. Da dürfen sich die Mitarbeiter über höhenverstellbare Schreibtische, Ruheräume und Kommunikationsecken freuen. Für Start-ups, die sich aus dem Nichts einrichten, ein tolles Experimentierfeld.

Wie lange dauert es in Ihrem Unternehmen von der ersten Idee bis zur Umsetzung? Ich wette, Sie haben das Gefühl, es müsste irgendwie schneller gehen. Und ich wette, Sie können den Zeitraum dieses Prozesses gar nicht genau beziffern. Schließlich dauert es eine Weile, bis jedes mögliche Risiko durchkalkuliert wurde. Die gute Nachricht: Sie gehören damit zur Mehrheit. Die schlechte Nachricht: Sie sollten, meiner Meinung nach, lieber zur Minderheit gehören.

Ein großer Trugschluss puncto Führung liegt darin, zu meinen, es gehe darum Mitarbeiter „mitzunehmen“. Das geht aus meiner Sicht am Kern der Sache vollkommen vorbei. Denn es gilt beim Führen im Unternehmen das gleiche simple Prinzip wie beim Bergführen. Stellen Sie sich vor, ich hätte in meiner Zeit als aktiver Bergführer die Führung meiner Kunden ausschließlich von mir aus geplant: wie und wohin ich diese mitnehme, wie ich sie motiviere

Eine Führungskraft nach der anderen ließ den Kopf in die Hände sinken, raufte sich die Haare, sah hilfesuchend in die Runde. „Wie bringen wir das unseren Mitarbeitern bei?“, raunte schließlich einer. Vor mir saß das Management-Team eines Kunden, den ich über zehn Jahre wiederholt betreut hatte – bei einem Markenprozess, bei mehreren Reorganisationen, bei Changeprozessen und: bei Eigentümerwechseln. Einen eben solchen hatte das Unternehmen gerade erst erfolgreich hinter sich gebracht.

Strahlende Sonne, weiß glitzernder Schnee, die Ski gleiten über die perfekt präparierte Piste: Wenn nur der Weg zum Erfolg für Unternehmen genauso perfekt markiert und glattgewalzt wäre. Gerade im Unternehmensalltag gehören diese präparierten Pisten der Vergangenheit an. Führungskräfte finden heutzutage keinen vorgezeichneten Weg mit Markierungen, glattgewalztem Untergrund und Fernsicht vor.

Kaum hat das neue Jahr angefangen, ist wieder voller Einsatz gefragt. Neue Ziele, größere Zahlen, mehr Gewinn – Unternehmen wollen im neuen Jahr meist noch größere Berge ersteigen als zuvor. Bevor Sie als Führungskraft mit Ihrer Gruppe aber den nächsten Anstieg starten, ist es wichtig, einmal zurückzuschauen.

Freiheit ist eine fantastische Sache: Sie als Führungskraft geben Ihren Mitarbeitern Freiraum, und schon legen sie los und finden initiativ und selbstorganisiert Lösungen, alle sind kreativ und motiviert, der Laden läuft wie von selbst. Richtig? Schön wäre es!

Dass Selbstorganisation eine mögliche und durchaus wirksame Antwort auf die Komplexität unserer Welt ist – das hat sich mittlerweile schon fast überall herumgesprochen. Dass Selbstorganisation ein Schlüssel für die intrinsische Motivation der Mitarbeiter ist – das unterschreibt nahezu jeder. Dass Selbstorganisation Kreativität und Initiative entfacht, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit fördert und heutzutage einfach zum Management-Werkzeugkasten dazugehört – das ist schon längst kein Geheimnis mehr. Aber wenn das so ist, dann erlauben

Nach Bergtouren oder einer Führung durch eine schwierige Nordwand-Route habe ich mir früher oft die Frage gestellt: „Habe ich heute in puncto Führung eine gute Leistung abgeliefert?“ Als Unternehmer kommt Ihnen diese Frage, auf Ihre Mitarbeiter bezogen, sicher bekannt vor.