„Was wollen Sie denn eigentlich erreichen?“ fragte ich den Projektleiter eines großen Bauprojekts.
Er sah mich einen Moment lang verdutzt an. Dann setzte er zum nächsten ausladenden Schwank über die völlig undefinierte Problemsoße an, die seiner Meinung nach sein Team ausbremste: „Verstehen Sie nicht? Das Problem ist doch …“
„Nein, stopp!“, unterbrach ich ihn. „Angenommen, das Problem ist gelöst –was wäre dann anders? Wie würde sich die Situation dann darstellen?“

Mein brutales Dazwischenfragen wurde nötig, denn der Projektleiter war einer lähmenden Krankheit erlegen: Der Problem-Hypnose.

Diagnose: Problem-Hypnose

Was ich etwas salopp „Problem-Hypnose“ nenne, hat schon so manches Team scheitern lassen. Ein Problem wird dabei immer wieder aus sämtlichen Blickwinkeln beleuchtet und durch die ständige Versorgung mit Aufmerksamkeit so aufgebläht, dass die Teammitglieder irgendwann ausschließlich mit dem Problem beschäftigt sind. Ihre ganze Energie wird davon absorbiert. Unendlich viel Zeit wird auf die Suche nach den Gründen oder gleich nach den Schuldigen für das Problem verschwendet.

Wenn Unternehmen in diese Hypnose verfallen, verlieren Sie Ihre Ziele – das, was Sie eigentlich erreichen wollen – vollkommen aus dem Blick und können sie oft nicht einmal mehr benennen. Denn jegliche Denkkraft konzentriert sich auf das Problem, an dem niemand mehr vorbeisehen kann.

Das gleiche Gefühl überfiel mich einmal am Berg, als ich mich unglücklich verklettert hatte. Ich glaubte, abstürzen zu müssen, und ertappte mich schließlich dabei, wie ich nur noch in den gähnenden und angsteinflößenden Abgrund unter mir starrte. So gewann der Abgrund immer mehr Macht über mich.

Augen aufs Ziel

Ihr Blick in Problemsituationen muss deshalb nach einer nüchternen Problemanalyse zunächst einmal weg vom Abgrund! Denn Ihren Fokus sollten Sie dorthin richten, wo Sie hinwollen, auf Ihr Ziel.

Im Fall des Bauprojekts oben konnte ich das Team überzeugen, ein nötiges Time-out einzulegen.Wir zogen uns zu einem anderthalbtägigen Workshop zurück, um gemeinsam aus einem anderen Blickwinkel auf die verfahrene Situation zu schauen. Das Team sah mich verständnislos an, als ich eine Sammlung von Holzfiguren auf dem Boden inmitten des Stuhlkreises verstreute. Sie sollten Ihre aktuelle Situation im Projekt, sowie alle Schlüsselpersonen und deren Wechselwirkungen mit den Figuren nachstellen.

Die erste Hemmschwelle der Puppenspielerei war schnell überwunden und die Gruppe arbeitete das Problem innerhalb kurzer Zeit heraus: In der Mitte stand die als übermächtig empfundene Figur für den Projektsteurer des Auftraggebers, der alles überschattete und bei dem sämtliche Stränge wie in einem Flaschenhals zusammenliefen. Aus dieser Situation heraus ordnete er eine Änderung nach der anderen an und das Projektteam des Bauunternehmens leistete denen ohne weitere Rückfragen Folge. Der anwesende Manager schlug sich stöhnend an die Stirn: „Jetzt erkenne ich, was wir da machen!“ Mit dem schmerzhaften Erkennen des eigenen Beitrags zur Aufrechterhaltung des Problems ging wie selbstverständlich die Einsicht einher, auch anders agieren zu können.

Wenn Probleme wieder lösbar werden

Ihre Blickrichtung zu ändern, nicht mehr nur auf das Problem zu starren, weckt Sie aus der Hypnose auf. Das erlebte ich am Berg. In meiner scheinbar aussichtslosen Situation zwang ich mich, den Blick vom Abgrund abzuwenden – und plötzlich sah ich die Lösung ganz klar vor mir. Der simple Perspektivwechsel, mich in der Wand 50 Zentimeter zurückzulehnen, brachte die Veränderung. Dort oben war der nächste Vorsprung, an dem ich mich festhalten konnte. Dort oben war mein Ziel und nun konnte ich weiter.
Wenn Sie in der Problem-Hypnose feststecken, dann wechseln Sie die Perspektive und Ihr Blick wird wieder frei für Lösungen.

Eine „Lösung“ kann in dem Fall schon heißen, dass eine erstarrte, verknotete Situation wieder ins Fließen kommt. Das ist noch keine optimale und finale Lösung, aber es ist der erste Schritt heraus aus dem negativen Kopfkino in einen Lösungsmodus, der Sie und Ihr Team weiterbringt.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.