Chap, Chap, Punch. Chap, Chap, Hook – Knockout!!! 10, 9, 8 … Nein, der regt sich nicht mehr. Er bleibt am Boden! Siiiiieg!

Was ich hier beschreibe, ist kein Boxkampf, sondern eine klassische Diskussion. Eine Diskussion, wie sie täglich vielerorts im Business geführt wird. Jede Entscheidung ist ein Kampf. Aber muss das denn so sein?

Ideen sofort ausgeprügelt

Erlebt habe ich solch eine harte Diskussion erst kürzlich bei einem Unternehmen, das einen neuen Laufschuh vermarkten wollte. Ein Marketingmitarbeiter war sofort Feuer und Flamme. Er träumte in der Besprechung laut von TV-Spots, einer riesigen Promotionaktion, ausgeklügelter Werbung – kurz: einem Feuerwerk.

Kaum hatte er den Mund zugemacht, flogen jedoch die Boxhandschuhe und seine Kollegen prügelten die Idee zu Brei. Quatsch sei das, unpassend und überhaupt würde kein Sportler darauf anspringen.

Am Ende stimmte das Team für eine schlichte Testimonial-Werbung – ohne Gegenstimmen. Ob das vielleicht ohnehin die bessere Idee war, darum geht es hier nicht. Aber ob der ideensprudelnde Mitarbeiter tatsächlich auch hinter der Entscheidung stand? Ob er seine Ideen in die Umsetzung der Testimonial-Werbung einbringen wird? Ich bezweifle es … Ob er überhaupt noch einmal Ideen einbringen wird? Ich weiß es nicht …

Im Boxring gibt es nur einen Sieger

In dieser Besprechungsrunde ist ein klassischer Fehler passiert: Kaum eröffnet, hatten alle sofort die Hände hochgerissen, um in Deckungshaltung zu gehen. Denn in Diskussionen geht es zumeist nicht darum, offen in einen Gedankenaustausch zu treten. Vielmehr werden sie zum Boxring, in dem jeder seine eigenen Ansichten durchsetzen möchte, um am Ende als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen.

Klar sind da alle Gesprächsteilnehmer damit beschäftigt, die Schläge ihrer Gegner abzuwehren. Nur dummerweise nehmen sie natürlich auch keine von deren Ideen mehr wirklich auf, wenn sie ihre Boxhandschuhe permanent schützend über die eigenen Ohren halten.

Beim Bergsteigen wäre eine solche Mentalität übrigens fatal: Stellen Sie sich vor, ein Mitglied der Seilschaft würde beim Festlegen der Route übergangen, sofort widerlegt, mit Gegenargumenten in die Ecke gedrängt – so manch ein Unglück am Berg hat genau so seinen Anfang genommen.

Am Berg wie im Unternehmen sollte das erklärte Ziel daher immer eine gemeinsame Entscheidung sein. Nur so können Sie sicherstellen, dass tatsächlich jeder im Team mit voller Kraft mitwirkt.

So werden Sie gemeinsame Sieger

Gemeinsame Entscheidungen erreichen Sie nicht über kämpferische Diskussionen, sondern nur über gut geführte Dialoge. Es geht darum, miteinander zu sprechen, anstatt nur zueinander. Das erreichen Sie am ehesten, indem Sie die Teilnahme am Gefecht verweigern: Gehen Sie ins Gespräch, ohne etwas gewinnen oder durchsetzen zu wollen. Und zeigen Sie auch Ihrem Team: Es geht nicht um den Sieg, sondern um den Austausch von Ideen.

Das heißt übrigens nicht, dass über jedem Dialog eine rosarote Harmoniewolke schwebt, im Gegenteil. Der Unterschied zum üblichen Schlagabtausch ist jedoch, dass Sie, auch wenn Sie Dinge mutig und direkt aussprechen, niemals das Bedürfnis haben, jemanden aus der Gesprächsrunde zu dominieren oder zu verletzen. Und dass Sie für andere Meinungen erst mal Interesse zeigen, anstatt gleich zu überlegen, wie Sie am besten zurückfeuern und sie zerschlagen.

Wenn Ihnen das in Ihrem Team am Anfang schwerfällt und Sie selbst immer wieder merken, dass Ihre Teammitglieder mit Vorschlägen und Ideen nach dem deutlichen „Das seh’ ich ganz anders!“ von Ihnen leiser werden oder ganz verstummen, dann helfen Sie sich selbst ein wenig: Schreiben Sie zum Beispiel ein neues Drehbuch für die Dialoge mit Ihrem Team. In diesem Script steht dann zum Beispiel, wie Sie auf neue Vorschläge reagieren, die überhaupt nicht zu Ihrer Sicht der Dinge passen – nämlich beispielsweise so: „Das klingt spannend – weil ich das ganz anders gesehen hätte. Darüber würde ich gerne mehr erfahren. Kannst du mir erzählen, was dich zu deiner Einschätzung bringt?“ Abweichender Meinung können Sie dann immer noch sein, aber Sie hören sich zunächst andere Ideen an, weil sie potenziell gute Gedanken einbringen könnten.

Und allein darum geht es letztlich in einem gut geführten Dialog: gemeinsam zu denken. Und wenn alle im Team gehört wurden, stehen sie schließlich viel eher hinter der gemeinsam getroffenen Entscheidung – ob diese nun ihrer anfänglichen Meinung entspricht oder nicht.

So wird Ihr Team zu einer echten Leistungsgemeinschaft, mit der Sie es auf jeden Gipfel schaffen.

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