Die Adler fliegen wieder! Im finnischen Kuusamo wird die neue Skisprungsaison eingeläutet. Und ja, das Duell zwischen Peter Prevc und Severin Freund wird sicher spannend. Aber wenn ich mit Unternehmeraugen auf den Welt-Cup schaue, finde ich den zweiten Wettkampfort Klingenthal viel spannender: Dann steht der erste Team-Wettbewerb auf dem Programm.

Damit ein Skispringer-Team einen gemeinsamen Höhenflug starten kann, braucht es ein besonderes Zusammenwirken von Sportlern, die eigentlich auf Einzelleistung konditioniert sind. Ich finde genau diesen Umstand extrem spannend und ich meine, da können Sie sich auch als Unternehmer noch etwas abschauen …

Höhenflug ohne Ziele

Skispringen ist bereits an sich eine Kunst. Wenn sich dann aber typische Einzelkämpfer für eine gemeinsame Leistung zusammenschließen, stellt das aber nochmal eine besondere Herausforderung dar.

Eine Herausforderung, vor der auch viele Firmen immer wieder stehen. Ein Beispiel ist mir hier besonders im Gedächtnis geblieben. Ein mittelständisches Unternehmen hatte mich hinzugezogen, um es bei einem tiefgreifenden Richtungswechsel im Vertriebsbereich zu unterstützen. Die Geschäftsführung wollte grundlegend reorganisieren. Im Team standen sogar zwei Entlassungen an.

Typischerweise tendieren Manager dazu, Folgendes an den Beginn zu stellen: Welche Ziele sollten angestrebt, welche Zahlen erreicht, welche Umsätze geschafft werden? Es ist, als ob Sie sich beim Skispringen auf die einzelnen Flugweiten einigen wollten, bevor das Team den ersten Testsprung von der Schanze getan hat.

Im Business gilt deshalb genau wie auf der Skisprungschanze: Starten Sie nicht mit Zielen, sondern setzen Sie bei der Realität an. Wie sieht die aktuelle Sprungleistung aus – wo stehen Sie mit Ihrer Unternehmensleistung aus Sicht der Kunden? Wie stark sind Wind und Regen – welche Bedingungen beeinflussen Ihr Unternehmen von außen? Gegen wen treten Sie an – in welchem Kontext agiert Ihr Team?

Im Business führt das weg von der Beschäftigung mit sich selbst und bringt den eigentlichen Existenzzweck des Unternehmens wieder ins Bewusstsein: den Beitrag für die Kunden.

Kein Team ohne Vertrauen

Es bietet sich deshalb an, sich zuerst intensiv mit der Kundenwahrnehmung auseinanderzusetzen – aber bitte nicht durch eine schlappe Kundenbefragung mit einem „blutleeren“ Fragebogen. Viel wirksamer ist es, zum Beispiel die Kunden direkt zu besuchen oder sie auch in einen Workshop einzuladen. Wenn das nicht möglich ist, kann „das Außen“ auch mit anderen Mitteln hereingeholt werden, in diesem Fall machten wir das mit Original-Video-Statements von Kunden. Diese – nicht wegdiskutierbare – Außenperspektive führt automatisch zu einer anderen Stimmung und Atmosphäre im Team. Das funktionierte auch hier und die Führungskräfte des mittelständischen Unternehmens waren durch die unverblümten Kundenfeedbackvideos zur Unternehmensleistung sichtlich bei der Ehre gepackt. Sie wollten ihr Unternehmen wieder auf Spur bringen – und dazu eben auch ihr Team.

Doch weder ein funktionierendes Team noch das Vertrauen ineinander entstehen auf Knopfdruck. Bei diesem Team brachte eine in den Workshop-Prozess integrierte Klettertour den Knoten zum Platzen. Sie erlebten sich als Leistungsgemeinschaft, in der sich jeder auf den anderen verlassen kann und die trotz der großen Herausforderung ans Ziel kommt.

Dazu war sowohl die eigene individuell-subjektive Höchstleistung als auch die Team-Leistung notwendig. Ein neuer Spirit war gewachsen: „Wenn wir etwas als Team mit einem festen Willen anpacken, dann sind wir auch als Einzelne viel stärker.“

Im Team zum Erfolg

In der zweiten Workshop-Runde war dann eine ganz andere Energie da. Das Team hatte erlebt, was es gemeinsam schaffen kann und wie der besondere Team-Spirit die Einzelleistungen beflügeln kann. Nun war der Mut da, den Vertriebsbereich neu aufzustellen und auch tiefgreifende Veränderungen umzusetzen. Gerade die zwei Mitarbeiter, deren Verbleib im Team fraglich war, brachten gute Ideen ein und noch im Workshop wurde der Geschäftsführung klar: Die bleiben.

Auf dem Follow-up-Workshop ein halbes Jahr später konnte das Team berichten, dass der Großteil der beschlossenen Maßnahmen erfolgreich umgesetzt worden war. Das Erlebnis, gemeinsam mehr schaffen zu können, hatte die Gruppe zu einem echten Team zusammengeschweißt. Seit dem Klettern wissen sie: Wenn jeder Einzelne seine volle Leistung und sein ganzes Engagement überzeugt in das Team einbringt, gelingt der Sprung nach vorne.

Und dann ist es wie bei den Skispringern: Dort bedeutet Team ja auch nicht, dass sie gleichzeitig und Hand in Hand über die Schanze gehen müssen. Team-Spirit bedeutet in diesem Fall, sich gegenseitig anzuspornen, zu pushen, sich gegenseitig zu stärken. Und zwar so, dass jeder Einzelne in der Lage ist, eine noch bessere Leistung abzuliefern. Ich bin gespannt, wie weit Ihr Team springen kann!

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