Graue karge Betonwände, typische 08/15-Büromöbel und ein eintöniger anthrazitfarbener Teppichboden. So sieht der typische Blick in viele Unternehmen aus. Der Blick aus dem Fenster zeichnet kein fröhlicheres Bild: lediglich die nackte Fassade des Bürokomplexes gegenüber.

Und an solch einem Ort sollen Inspiration und Kreativität sprießen?

Da bleibt mir wohl nicht viel anderes übrig, als solchen Unternehmen und deren Mitarbeitern viel Glück für ihre Innovationen zu wünschen. Oder ich schenke ihnen einen Baum. Schließlich wächst auf Bäumen Inspiration …

Nicht ein Bäumlein – 8.000 Bäume

Das haben nicht nur meine Partnerin, die Architektin Irene Graf, und ich bemerkt, sondern auch der Weltkonzern Apple. Dass dem Technologiegiganten ein winziges Bäumlein nicht genügt, dürfte Sie wohl nicht sonderlich verwundern. Im Apple Park, dem zukünftigen Hauptsitz der Firma im Silicon Valley, wurden sage und schreibe 8.000 neue Bäume gepflanzt. So soll für die Mitarbeiter der perfekte Ort für nutzenstiftende Inspiration entstehen.

Die architektonische Besonderheit des Areals beeindruckte uns unglaublich. Das neue Apple-Gebäude ist in Form eines großen Rings konzipiert, der eine weitläufigere Fläche einnimmt als das Pentagon. Der Einsatz von den zurzeit weltweit größten gebogenen Glasflächen vermittelt den Mitarbeitern mitten in der Natur, quasi in den Baumkronen, zu sitzen.

In der Mitte des Gebäuderings ergibt sich nämlich ein etwa zwölf Hektar großer Park – doppelt so groß wie der Wiener Stadtpark. Gewählt wurden für die Bepflanzung heimische Bäume.

Die kalifornische Landschaft mit ihrem besonderen Licht und ihrer Weite hat Steve stets angeregt und inspiriert; sie war seine bevorzugte Umgebung zum Nachdenken. Apple Park fängt diese Stimmung unheimlich gut ein“, sagte Laurene Powell Jobs. „Er wäre auf diesem brillant konzipierten Campus aufgeblüht, ganz so wie es die Leute bei Apple sicherlich erleben werden.“

(Quelle: Apple Newsroom, 22. Februar 2017)

Ein unglaubliches Bauvorhaben, das meine Partnerin und ich schon zweimal besuchen durften.

Wohlfühlfaktor schafft Mehrwert

Der Erfolg gibt Apple recht. Mit dem eigenen Anspruch, seinen Mitarbeitern eine maximal inspirierende Arbeitsumgebung zu schaffen, hat das Unternehmen die Spitze des Technikolymps erklommen.

Steve hat einen großen Teil seiner Kraft in die Schaffung und Unterstützung kreativer Umgebungen investiert. Wir sind beim Design, der Konstruktion und beim Bau unseres neuen Campus mit dem gleichen Enthusiasmus und den Design-Prinzipien herangegangen, die unsere Produkte charakterisieren“, sagt Jony Ive, Apples Chief Design Officer. „Die Kombination aus außergewöhnlich fortschrittlichen Gebäuden und hügeligen Parklandschaften schafft eine wunderbar offene Umgebung für Menschen für kreative Gestaltung und Zusammenarbeit.“

(Quelle: Apple Newsroom, 22. Februar 2017)

Die Mitarbeiter kann’s freuen, schließlich erhalten sie nicht nur eine herrlich grüne Arbeitsstätte, sondern wahrlich eine Inspirationsquelle on top. In der Mittagspause eine Runde im Park spazieren oder bei Ideenengpässen ein wenig frische Luft zwischen Tausenden von Bäumen schnappen – kein Problem!

Dieser Wohlfühlfaktor hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Studien zeigen, dass in Unternehmen, die die Natur im Daily Business integrieren, die Fehlzeit von Mitarbeitern um bis zu 20 Prozent zurückging. 20 Prozent! Rechnen Sie das einmal in Geld um, da klingt der Aufbau einer Grünanlage doch äußerst verlockend …

Sie merken vielleicht, worauf meine Partnerin und ich hinaus wollen: Je mehr Sie als Führungskraft Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, die Natur in ihren Arbeitsalltag zu integrieren, desto besser werden ihre Ideen, ihre Stimmung und schlussendlich ihre Erfolge sein.

Inspiration – ein No-Go am Arbeitsplatz

Dass die Korrelation von Umgebung und Inspiration in vielen Unternehmen noch nicht von primärer Wichtigkeit ist, kann ich allerdings ein Stück weit nachvollziehen. Schließlich wurde Führungskräften über Jahrzehnte hinweg eingetrichtert, dass Wohlfühl-Geplänkel nichts am Arbeitsplatz zu suchen hat.

Denken Sie nur an die Zeit zu Beginn der Industrialisierung zurück. Damals ging es nicht darum, dass ein Mitarbeiter sich inspiriert fühlte. Nein, im Fokus standen ganz andere Faktoren. Effizienz, Schnelligkeit, Fehlervermeidung – das war von Bedeutung.

Doch im 21. Jahrhundert weht ein anderer Wind. Heute haben Unternehmen eine Umbruchstelle erreicht und es geht um einen Wettbewerb der Ideen. Alle menschlichen Regungen – und damit auch die Kreativität – bei der Stechuhr abzugeben, führt nicht länger zum Erfolg. Nun, da ein Großteil der Prozesse und Abläufe automatisiert läuft, sind Ideen und Innovationen ausschlaggebend für Ihren Erfolg. Und dafür brauchen Mitarbeiter einen Arbeitsort voller Lebendigkeit.

Frank Lloyd Wright macht’s vor

Falls Sie jetzt schon ein schlechtes Gefühl in der Magengegend verspüren, weil Sie keine Kapazität für einen eigenen Park à la Apple auf Ihrem Unternehmensgrundstück haben, kann die Architektin an meiner Seite Sie beruhigen. Nicht nur Bäume bewirken einen kleinen Inspirationszauber bei Ihren Mitarbeitern. Durch die bewusste Einbeziehung der umgebenden Landschaft und bestimmter Naturelemente kann ebenfalls ein Ort der Lebendigkeit entstehen, eine Atmosphäre voll Inspiration.

Für Irene Graf ist das Paradebeispiel für solch eine gelungene lebendige Atmosphäre schnell gefunden. Nämlich in Arizona, im Südwesten der Vereinigten Staaten. Dort steht Taliesin West, die Winterresidenz des verstorbenen Architekten und Kunsthändlers Frank Lloyd Wright.

Das Wohn-und Architekturhaus ist einzigartig. Die organische Architektur ist allgegenwärtig, im Hauptatelier, im Studio, im Foyer. Und dabei ist das Gebäude vollkommen natürlich in die wüstenähnliche Landschaft eingebettet – sowohl topografisch wie auch innenarchitektonisch. Wright verwendete hauptsächlich Materialien aus der dortigen Umgebung. Die Steine und natürlichen Farben sind in allen Bereichen integriert. Das erzeugt einen kreativen Raum, der Einfachheit und Ruhe ausstrahlt. Durch die Verbauung von viel Glas schaffte er eine gefühlt unendliche Weite. Was die Kreativität der Schüler seiner Architektenschule nur noch mehr förderte.

Die richtige Investition

Dieser Ort fasziniert uns beide – meine Partnerin und mich. Seit Jahrzehnten ist dort eine kreative Atmosphäre sichtbar und spürbar. Denn auch heute noch wird das Gebäude als Architekturschule der Frank Lloyd Wright Foundation genutzt. Die lichtdurchfluteten Räume sind das perfekte Beispiel dafür, wie ein Ort der Lebendigkeit aussehen muss, damit Inspiration ihren Weg findet.

Vielleicht behalten Sie diesen Aspekt im Hinterkopf, falls auch bei Ihnen im Unternehmen demnächst Umbaumaßnahmen anstehen. Investieren Sie sowohl gedanklich, als auch finanziell in die Natürlichkeit und Lebendigkeit Ihrer Arbeitsumgebung: in organische Bau- und Einrichtungsmaterialien, in die intelligente Integration der Natur oder in kleine grüne Oasen – Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen in beeindruckenden Innovationen zurückzahlen.

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